Wettbewerbe

Philosophischer Essay (Herbst 2015)

Einladung zum Bundes- und Landeswettbewerb

Gibt es in Ihren Kursen Schülerinnen und Schüler, deren Interessen über den Rahmen des Unterrichts hinausgehen? Die auch in der Freizeit philosophische Texte lesen? Die gerne zusätzliche Anregungen bekommen? Die ihre eigenen Gedanken einmal außerhalb von Klausuren niederschreiben möchten? Für solche Schülerinnen und Schüler ist der Essay-Wettbewerb gedacht.

Auf die Frage „Was ist ein Essay?“ antwortet der Essayist Hans Magnus Enzensberger: „Das weiß niemand so genau. Ich verstehe darunter einen diskursiven Text, bei dem ich am Anfang noch nicht weiß, was am Schluss dabei herausspringt. Es kommt, wie der Name schon sagt, auf den Versuch an.“ (Zeit-Magazin, 12.8.2010)

Die fünf Bezirksregierungen des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Fachverband Philosophie e.V. laden gemeinsam dazu ein, sich an philosophischen Themen zu versuchen. Kooperationspartner sind: die Akademie Franz Hitze Haus (Münster), die Josef-Pieper-Stiftung, die Deutsche Gesellschaft für Philosophie, die Universität Münster, die Wissenschaftliche Buchgesellschaft, der Verlag Matthes & Seitz sowie die philosophische Zeitschrift „Philosophie-Magazin“.

Im vergangenen Jahr wurden aus 11 Bundesländern 626 Essays an die Juroren gesandt (davon 369 aus NRW). Erneut ergeht bundesweit an die Lehrkräfte die Bitte, den folgen­den Aufruf in ihren Philosophie- und Ethikkursen und unter philosophisch interessierten Schülerinnen und Schülern zu verbreiten.

Lehrkräfte, die ihren gesamten Kurs Essays schreiben lassen, sollen nur die zwei besten Essays einsenden, um die Jury zu entlasten. Empfangs- oder Teilnahmebestätigungen werden nicht versandt; bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Juroren diese zusätzliche Arbeit nicht leisten können. Verfasser, die überdurchschnittliche Leistungen zeigen, bekommen im Januar oder Februar eine Urkunde zugesandt.

Wer ist teilnahmeberechtigt? Angesprochen sind philosophieinteressierte Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II. Sie müssen nicht unbedingt einen Philosophie-Kurs besuchen. Die Aufgabe ver­langt allerdings, einen philosophischen Essay zu schreiben; die unten genannten Beurteilungsmaß­stäbe gelten für alle Teilnehmer in gleicher Weise.

Aufgabe: Die Interessierten bekommen von ihrer Fachlehrerin bzw. ihrem Fachlehrer die folgenden vier Themen zur Auswahl und schreiben ihren Essay zu einem dieser Themen:

I.

Erleichtert das Philosophieren das Leben?

II.

Das haus hat allen zu gefallen. […] Das kunstwerk ist eine privatangelegenheit des künstlers. Das haus ist es nicht. […] Das kunstwerk will die menschen aus ihrer bequemlichkeit reißen. Das haus hat der bequemlichkeit zu dienen. Das kunstwerk ist revolutionär, das haus konservativ. […] Der mensch liebt alles, was seiner bequemlichkeit dient. Er haßt alles, was ihn aus seiner gewonnenen und gesicherten position reißen will und belästigt. Und so liebt er das haus und haßt die kunst.

(Adolf Loos, Architektur, 1909. In: Adolf Loos: Sämtliche Schriften in zwei Bänden. Hg. v. Franz Glück. Erster Band, Verlag Herold, Wien und München 1962. S. 314 f.)

III.

Politisch mündige Bürger brauchen jedenfalls materiell nicht viel; ihnen genügt ein elementares Auskommen.

(Otfried Höffe: Einigkeit und Recht und Wohlstand. In: SZ vom 3.3.2010, S. 13)

IV.

Der Moralist kann kein Künstler sein, weil er die Welt nicht schafft, sondern über sie richtet und so eine völlig überflüssige Arbeit erledigt.

(Imre Kertész: Galeerentagebuch. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 2. Aufl. 2002, S. 13. – Ungar. Orig. Budapest 1992. Kertész ist Literaturnobelpreisträger des Jahres 2002)

Zu den Anforderungen an die Essays im Rahmen dieses Wettbewerbs

Die fünf Kriterien der Bewertung sind die der Internationalen Olympiade: 1) Relevanz für das Essay­­-Thema, 2) philosophisches Verständnis des Themas (nicht unbedingt fachwissenschaftliche Korrekt­heit), 3) argumentative Überzeugungskraft, 4) Kohärenz (innere Stimmigkeit) und 5) Originalität.

Zum 1. Kriterium: Analysieren Sie das Thema. Suchen Sie nach philosophischen Positionen, aber auch nach Erfahrungen aus Ihrem Leben oder Ihren Lektüren. Vermeiden Sie es, Wissen auszubreiten, das sich nicht auf das Thema bezieht. Sie können die Fragestellung einengen oder akzentuieren; erläutern Sie das bitte in der Einleitung.

Zum 2. Kriterium: Schreiben Sie einen philosophischen Essay, keinen politischen oder naturwissen­schaftlichen. Wenn Sie die Positionen von Philosophen wiedergeben, nützen Sie diese für die Ent­wicklung Ihrer eigenen Gedanken.

Zum 3. und 5. Kriterium: Im Unterschied zu einem wissenschaftlichen Aufsatz und einer Facharbeit ist ein Essay kürzer und formal freier; insofern kann es dafür keine verbindliche Richtlinien geben. Er kann durchaus subjektiv sein und (Denk-) Anstoß erregen. Eine bloße Artikulation Ihrer Meinung genügt allerdings nicht.

Erfolgreiche Essays formulieren meist mit klaren Begriffen eine klare These zum vorgegebenen Zitat. Sie werden Ihre Leser v. a. mit klugen Argumenten überzeugen. Mit Beispielen können Sie für Anschaulichkeit sorgen. Es kann helfen, Alternativpositionen darzulegen; Sie dürfen sie dann aber auch polemisch angreifen. Geben Sie für genutzte Quellen fachgerechte Quellenangaben. Verzichten Sie auf unwissenschaftliche Quellen.

Die hauptsächlich kreativen Formen des Essays (z. B. Theaterszenen oder Textcollagen) sind nicht zugelassen. Zwar können solche Formen eine wertvolle Bedeutung im Unterricht haben, doch können sie in einem Wettbewerb schwerlich in eine Rangfolge mit analytisch-argumentierenden Essays gebracht werden.

Der Essay kann als Vorübung für eine mögliche Teilnahme an der Winterakademie und der Inter­nationalen Philosophie-Olympiade auch in Englisch oder Französisch verfasst werden. Dort ist die Benutzung eines Wörterbuchs (auch zweisprachig) erlaubt. (Erfahrungsgemäß bereitet es den Schülerinnen und Schülern weniger Mühe als erwartet, ihren Aufsatz in einer Fremdsprache zu schreiben. Gegenüber sprachlichen Fehlern ist die Jury großzügig.)

Der Essay darf maximal vier Seiten umfassen. (Dabei gehen wir von der Schriftart Times New Roman in Größe 12 aus, drei Zentimeter Rand, einzeilig geschrieben.) Die Essays sollten am besten mit ei­ner Heftklammer versehen sein, nicht in Klarsichtfolie oder gar noch aufwendiger eingereicht werden.

Zur Frage, ob Lehrkräfte inhaltliche, methodische oder redaktionelle Hilfestellung leisten dürfen:

Jede allgemeine Beratung ist erwünscht: Wie erschließe ich ein Thema? Wie kann man einen Essay aufbauen? Aber konkrete (auf eine Wettbewerbsaufgabe bezogene) inhaltliche und sprachliche Ver­besserungsvorschläge müssen aus Fairnessgründen unterbleiben. (Bei einem Probeessay zu einem ganz anderen Thema wäre die detaillierte Beratung natürlich nützlich.)

Man kann fairerweise nicht empfehlen, Essays für den Wettbewerb in vier Stunden unter Klausur­bedingungen zu schreiben (wie es bei der Winterakademie und der Internationalen Olympiade verlangt wird), es sei denn, man gäbe den Schülern dann den Essay zur Überarbeitung einige Tage nach Hause. Die meisten Schreiber nehmen sich offensichtlich mehr Zeit und nutzen Lektüren zum Thema. Da das nicht zu verhindern ist, sollte man es akzeptieren.

Der Text soll bis 6. Dezember 2015 eingesandt werden. Im Kopf jeder abgegebenen Arbeit sollten der Name der Verfasserin bzw. des Verfassers, die Jahrgangsstufe, der Name der zuständigen Lehrkraft, die Schul- und Privatadresse (möglichst mit E-Mail) angegeben werden; so können die Teilnehmer der Winterakademie schneller verständigt werden.

Am Ende des Essays soll folgende Erklärung stehen:

Ich versichere, dass ich die Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen benutzt habe und alle Entlehnungen als solche gekennzeichnet habe. (Unterschrift)

Alle Teilnehmer sollten sich eine Kopie ihres Essays machen, da die eingereichten Arbeiten nicht zurückgesandt werden.

Wir gehen davon aus, dass wir, wenn nichts anderes auf dem Essay vermerkt ist, eingereichte Essays veröffentlichen dürfen, insbesondere im Internet, wo Sie unter der genannten Adresse eine Reihe von beispielhaften Arbeiten einsehen können.

Die Auswertung der eingegangenen Essays

Sie wird nach Bundesländern vorgenommen, in NRW in den fünf Regierungsbezirken. Bundesländer, die einen Landesbeauftragten für das Essayschreiben ernannt haben und sich finanziell an den Kosten der Winterakademie beteiligen, erhalten einen festen Schülerplatz bei der Winterakademie. Die übrigen Plätze werden proportional zur Zahl der Einsendungen vergeben. Aus jedem NRW-Bezirk werden – je nach Teilnehmerzahl – drei bis fünf Teilnehmer ausgewählt; aus den anderen Bundes­ländern kommen (wenn die Zahl der Einsendungen etwa der des Vorjahres entspricht) ca. sechs weitere Teilnehmer hinzu; sie werden in der zweiten Woche des nächsten Halbjahres, vom 9. bis 12. Februar 2016 zur Philosophischen Winterakademie nach Münster/Westf. eingeladen.

Auf der Winterakademie werden erneut Essays geschrieben (in vier Zeitstunden, auf Englisch oder Französisch), und philosophische Vorträge werden gehört und diskutiert. Die Resonanz auf die bisherigen Akademien war so erfreulich, dass wir darauf vertrauen können, dass auch das nächste Treffen für diejenigen, die sich für Philosophie begeistern, zu einem besonderen Erlebnis wird.

Für maximal 20 Lehrkräfte besteht die Möglichkeit, an der Lehrerfortbildung der Winterakademie in Münster teilzunehmen, und zwar an den letzten beiden Tagen der Winterakademie: vom Donnerstag, den 11. Februar (10 Uhr) bis Freitag, 12. Februar 2016 (16 Uhr). Gemeinsam werden die (fast alle in Englisch verfassten) Essays der Schüler kommentiert und bewertet. Wenn Sie als Lehrkraft interessiert sind, schreiben Sie bitte bis zum 15. Dezember eine E-Mail an Gerd Gerhardt; die Adresse finden Sie am Ende dieser Ausschreibung.

Die Lehrkräfte werden gemeinsam die beiden Schülerinnen bzw. Schüler auswählen, die Mitte Mai 2016 als Vertreter Deutschlands zur XXIV. Internationalen Philosophie-Olympiade reisen dürfen. (Diese IPO wird in Gent stattfinden.) Außerdem werden die fünf Erstplatzierten zum Aufnahmever­fahren der Studienstiftung des deutschen Volkes eingeladen und bekommen ein Jahresabonnement der Zeitschrift „Philosophie-Magazin“. Dem Sieger wird zudem voraussichtlich ein bezahltes Praktikum beim „Philosophie-Magazin“ in Berlin angeboten.

Wir bitten die jeweils zuständigen Fachlehrkräfte die ausgewählten Essays der Schülerinnen und Schüler unter dem Stichwort „Wettbewerb Philos. Essay“ an die zuständige Adresse zu senden, und zwar nicht als E-Mail, sondern als Brief:

I. Für Schulen des Bundeslandes NRW:

für den Bereich der Bezirksregierung Düsseldorf:

Bezirksregierung Düsseldorf, Dez. 43, z. Hd. Frau LRSD’ Monika Lenkaitis, Am Bonneshof 35, 40474 Düsseldorf

für den Bereich der Bezirksregierung Köln:

Bezirksregierung Köln, Dez. 43, z. Hd. Herrn LRSD Stephan Sieprath, Zeughausstr. 2-10,

50667 Köln

für den Bereich der Bezirksregierung Arnsberg:

Bezirksregierung Arnsberg, Dez. 43, z. Hd. Frau RSD’ Nienaber-Willaredt, Laurentiusstraße 1, 59821 Arnsberg

für den Bereich der Bezirksregierung Detmold:

Dr. Hans Joachim Otto, Scherfeder Str. 12, 33100 Paderborn

für den Bereich der Bezirksregierung Münster:

an den Landesbeauftragten Dr. Gerd Gerhardt, Dompfaffweg 20, 49479 Ibbenbüren.

II. Für die anderen Bundesländer:

Teilnehmer aus:

senden ihren Essay an:

Baden-Württemberg

Dr. Tilo Klaiber, Wildermuthweg 7B, 70197 Stuttgart

Bayern

Hubertus Stelzer, Alpenstr. 18, 87733 Markt Rettenbach

(Hubertus.Stelzer(at)gmx.de)

Berlin

Maria Appel, Philosophenweg 28, 10365 Berlin

Bremen

Bettina Neumann, Buschweg 49, 25421 Pinneberg

Hamburg

Felix Lund, Stresemannstr. 84, 22769 Hamburg

Hessen

Marco Schepers, Morgensternstraße 3, 60596 Frankfurt

(teacher.schepers(at)googlemail.com)

Mecklenburg-Vorpommern

Torsten Köpp, Ahornweg 40, 19069 Seehof

Niedersachsen

Till Warmbold, Granatstr. 6, 30823 Garbsen

Rheinland-Pfalz

Dr. Christiane Lang, Am Rosengarten 17, 55131 Mainz

Saarland

Stephan Öhrlein, Mainzer Straße 84, 66121 Saarbrücken

Sachsen-Anhalt

Anja Seigert, Egelstr. 12, 04103 Leipzig

Schleswig-Holstein

Jutta Kähler, Adolfplatz 1, 23568 Lübeck

Brandenburg, Sachsen, Thüringen

Dr. Gerd Gerhardt, Dompfaffweg 20, 49479 Ibbenbüren

III. Für Auslandsschulen:

Dr. Gerd Gerhardt, Dompfaffweg 20, D-49479 Ibbenbüren. Essays aus Auslandsschulen können auch als E-Mail-Anhang an diese Adresse eingereicht werden: gerd.gerhardt(at)gmx.net

Zur Internationalen Philosophie-Olympiade

1989 rief die Philosophische Fakultät der Universität Sofia eine Philosophie-Olympiade als nationa­len Wettbewerb ins Leben. Seit 1993 ist der Wettbewerb international; es beteiligten sich bisher 45 Länder mit jeweils zwei Schülerinnen oder Schülern. Das veranstaltende Land kann zehn Teilnehmer melden. Alle Teilnehmer der internationalen Olympiade müssen ihren Essay in einer Fremdsprache verfassen. (Seit 2011 ist auch Spanisch zugelassen.) Die Reisekosten tragen die Teilnehmer (oder deren Sponsoren), die Aufenthaltskosten trägt der jeweilige Veranstalter.

Die IPO wird von der UNESCO ideell unterstützt: Im Bericht der 171. Sitzung des Executive Board der UNESCO vom 28. Februar 2005 wird als Ziel genannt: „supporting the development of Interna­tional Philosophy Olympiads”. Die Internationale Philosophie-Olympiade lässt die Teilnehmer erfah­ren, wie sehr die Völker der teilnehmenden Länder, weit über die Grenzen der EU hinaus, durch die gemeinsame Kultur verbunden sind.

Die beiden Sieger des letzten Bundeswettbewerbs vertraten Deutschland erfolgreich auf der XXIII. Internationalen Philosophie-Olympiade in Tartu (Estland): 83 Essays wurden von den Teilnehmern aus 39 Ländern geschrieben; Ragna Heyne (Hölderlin-Gymnasium Heidelberg) und Niklas Uhmeier (Stadtgymnasium Detmold) erhielten „Honorable mentions“.

Die Essay­themen sowie einzelne Essays finden Sie auf der unten genannten Website.

Für weitere Auskünfte stehen Ihnen zur Verfügung:

für die Teilnehmer außerhalb von NRW: Dr. Jörg Peters (Bundesvorsitzender des Fachverbandes Philosophie e.V.), Tel. 02858 – 917616, E-Mail: joerg.peters2(at)googlemail.com;

für alle Teilnehmer aus NRW und für grundsätzliche Fragen zum Wettbewerb: Dr. Gerd Gerhardt (Landesbeauftragter für philosophische Essaywettbewerbe in NRW), Tel. 05451-84486, E-Mail: gerd.gerhardt(at)gmx.net

Es gibt seit einem Jahr neue Plakate, um auf den Wettbewerb aufmerksam zu machen; mit einem frankierten Rücksendeumschlag können Sie sich zwei oder drei Exemplare in Größe DIN A3 oder A2 von Gerd Gerhardt (Adresse oben) zusenden lassen.

Beispiele erfolgreicher Essays und umfangreiche Informationen zum Wettbewerb finden Sie auf der Website: www.schulministerium.nrw.de Suche: Bundes- und Landeswettbewerb Philosophischer Essay