Wettbewerbe

Einladung zum 19. Bundes- und Landeswettbewerb Philosophischer Essay (Herbst 2017)

(ausführliche Version hier)
Wer ist teilnahmeberechtigt?
Angesprochen sind philosophieinteressierte Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II. Sie müssen nicht unbedingt einen Philosophie-Kurs besuchen. Die Aufgabe ver­langt allerdings, einen philosophischen Essay zu schreiben.

Aufgabe: Die Interessierten bekommen von ihrer Fachlehrerin bzw. ihrem Fachlehrer die folgenden vier Themen zur Auswahl und schreiben ihren Essay zu einem dieser Themen:

I. „Denn in den Demokratien, wo nach dem Gesetze regiert wird, ist kein Raum für Demagogen, sondern die tüchtigsten Bürger stehen an der Spitze. Wo aber die Gesetze nicht in Geltung stehen, da gedeihen die Demagogen. Denn hier wird das Volk zum Monarchen, indem es ein einheitlicher, aus vielen zusammengesetzter Souverän wird. Denn die Menge ist hier Herr; nicht der Einzelne, aber die Gesamtheit. (…) Ein solches Volk, das tatsächlich Monarch ist, sucht seine Herrschaft in der Weise auszuüben, dass es sich nicht dem Gesetz unterstellt, und wird so despotisch.“ (Aristoteles. Politik. Kap. Verfassungsformen. In: Aristoteles. Die Hauptwerke. Übersetzt von Wilhelm Nestle. Stuttgart [8. Aufl.] 1977, S. 310f.)
II. Sind gute Argumente erfolgreich?
III. „Neurowissenschaftler können sich auf den Standpunkt stellen, daß sie ebenso gegen den Aberglauben kämpfen wie diejenigen, die das Vokabular über Hexen als unsinnig entlarvt haben. Und es ist nicht auszuschließen, daß sie damit Erfolg haben. Doch dieser Erfolg wird sich als Ergebnis eines Kampfes einstellen. In dieser Auseinandersetzung reagieren Menschen auf Vorschläge zur Beschreibung von Menschen, oder pathetischer ausgedrückt: Sie ringen miteinander um ihr Selbstverständnis. (…) Welche Relevanz eine biologische Tatsache für das menschliche Selbstverständnis hat, wird durch die Tatsache selbst nicht festgelegt.“ (Michael Hampe. Die Lehren der Philosophie. Eine Kritik. Berlin 2014, S. 227)
IV. „Wir dürfen unser/ Leben / nicht beschreiben, wie wir es / gelebt haben / sondern  müssen es / so leben / wie wir es erzählen werden: / Mitleid / Trauer und Empörung.“
(Guntram Vesper, geb. 1941, „Landmeer“. Aus: Die Inseln im Landmeer. Gedichte. Pfaffenweiler 1982, S. 30.)

Der Essay darf maximal vier Seiten umfassen. (Bitte nur mit Heftklammer getackert.)

Der Text soll bis zum 7. Dezember 2017 eingesandt werden. Im Kopf jeder abgegebenen Arbeit sollten der Name der Verfasserin bzw. des Verfassers, die Jahrgangsstufe, der Name der zuständigen Lehrkraft, die Schul- und Privatadresse (möglichst mit E-Mailadresse) angegeben werden.

Am Ende des Essays soll folgende Erklärung stehen:
Ich versichere, dass ich die Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen benutzt habe und alle Entlehnungen als solche gekennzeichnet habe. (Unterschrift)

Alle Teilnehmer sollten sich eine Kopie ihres Essays machen, da die eingereichten Arbeiten nicht zurückgesandt werden.

Es gibt eine wichtige Neuerung, die zu einer möglichst gerechten Verteilung der 26 Winterakademie-Plätze beitragen soll. Wenn Ihnen als Lehrkraft mehr Essays vorlagen, als die zwei bis drei eingereichten Essays, dann geben Sie bitte an: Wie groß war die Anzahl der geschriebenen Essays, aus der die eingereichten Essays ausgewählt wurden?

Wir bitten die jeweils zuständigen Fachlehrkräfte die ausgewählten Essays der Schülerinnen und Schüler unter dem Stichwort „Wettbewerb Philos. Essay“ an die zuständige Adresse zu senden, und zwar nicht als E-Mail, sondern als Brief:

 

  1. Für Schulen des Bundeslandes NRW:

für den Bereich der Bezirksregierung Düsseldorf:
Bezirksregierung Düsseldorf, Dez. 43, z. Hd. Frau LRSD’ Dr. Tanja Reinlein, Am Bonneshof 35, 40474 Düsseldorf

für den Bereich der Bezirksregierung Köln:
Bezirksregierung Köln, Dez. 43, z. Hd. Herrn LRSD Stephan Sieprath, Zeughausstr. 2-10, 50667 Köln

für den Bereich der Bezirksregierung Arnsberg:
Bezirksregierung Arnsberg, Schulabteilung, z. Hd. Frau AD’ Monika Nienaber-Willaredt, Laurentiusstraße 1, 59821 Arnsberg

für den Bereich der Bezirksregierung Detmold:
Dr. Hans Joachim Otto, Scherfeder Str. 12, 33100 Paderborn

für den Bereich der Bezirksregierung Münster:
an den Landesbeauftragten Burkhard Wahle, Birkenweg 63, 48155 Münster

  1. Für die anderen Bundesländer:
Teilnehmer aus: senden ihren Essay an:
Baden-Württemberg Dr. Tilo Klaiber, Wildermuthweg 7B, 70197 Stuttgart
Bayern Hubertus Stelzer, Alpenstr. 18, 87733 Markt Rettenbach

(Hubertus.Stelzer(at)gmx.de)

Berlin Maria Appel, Philosophenweg 28, 10365 Berlin
Bremen Daniela Hoff-Bergmann, Carl-Linde-Str. 24, 28357 Bremen
Hamburg Bettina Neumann, Buschweg 49, 25421 Pinneberg
Hessen Marco Schepers, Morgensternstraße 3, 60596 Frankfurt

(teacher.schepers(at)googlemail.com)

Mecklenburg-Vorpommern Torsten Köpp, Ahornweg 40, 19069 Seehof
Niedersachsen Till Warmbold, Granatstr. 6, 30823 Garbsen
Rheinland-Pfalz Dr. Christiane Lang, Am Rosengarten 17, 55131 Mainz
Saarland Stephan Öhrlein, Mainzer Straße 84, 66121 Saarbrücken
Sachsen-Anhalt Anja Seigert, Egelstr. 12, 04103 Leipzig
Schleswig-Holstein Jutta Kähler, Adolfplatz 1, 23568 Lübeck
Brandenburg, Sachsen, Thüringen Burkhard Wahle, Birkenweg 63, 48155 Münster

Was kann man gewinnen?
Verfasser, die überdurchschnittliche Leistungen zeigen, bekommen im Januar oder Februar eine Urkunde zugesandt. Die von den regionalen Jurorinnen und Juroren ausgewählten 26 besten Essayschreiber werden vom 13. bis 16. Februar 2018 zur Philosophischen Winterakademie nach Münster/Westf. eingeladen.

Auf der Winterakademie werden erneut Essays geschrieben (in vier Zeitstunden, auf Englisch oder Französisch), und philosophische Vorträge werden gehört und diskutiert.

Für maximal 20 Lehrkräfte besteht die Möglichkeit, an der Lehrerfortbildung der Winterakademie in Münster teilzunehmen, und zwar an den letzten beiden Tagen der Winterakademie: vom Donnerstag, den 15. Februar (10 Uhr) bis Freitag, 16. Februar 2018 (16 Uhr). Gemeinsam werden die fünf besten Essayschreiber ausgewählt, die der Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen werden. Die beiden besten Essayschreiber nehmen Ende Mai als Vertreter Deutschlands an der XXVI. Internationalen Philosophie-Olympiade in  Bar, Montenegro teil.

 

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Philosophischer Essay (Herbst 2015)

Themen:

I.

Erleichtert das Philosophieren das Leben?

II.

Das haus hat allen zu gefallen. […] Das kunstwerk ist eine privatangelegenheit des künstlers. Das haus ist es nicht. […] Das kunstwerk will die menschen aus ihrer bequemlichkeit reißen. Das haus hat der bequemlichkeit zu dienen. Das kunstwerk ist revolutionär, das haus konservativ. […] Der mensch liebt alles, was seiner bequemlichkeit dient. Er haßt alles, was ihn aus seiner gewonnenen und gesicherten position reißen will und belästigt. Und so liebt er das haus und haßt die kunst.

(Adolf Loos, Architektur, 1909. In: Adolf Loos: Sämtliche Schriften in zwei Bänden. Hg. v. Franz Glück. Erster Band, Verlag Herold, Wien und München 1962. S. 314 f.)

III.

Politisch mündige Bürger brauchen jedenfalls materiell nicht viel; ihnen genügt ein elementares Auskommen.

(Otfried Höffe: Einigkeit und Recht und Wohlstand. In: SZ vom 3.3.2010, S. 13)

IV.

Der Moralist kann kein Künstler sein, weil er die Welt nicht schafft, sondern über sie richtet und so eine völlig überflüssige Arbeit erledigt.

(Imre Kertész: Galeerentagebuch. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 2. Aufl. 2002, S. 13. – Ungar. Orig. Budapest 1992. Kertész ist Literaturnobelpreisträger des Jahres 2002)